Gesundheitsbewusstsein steigt, Nutzung stagniert
Das letzte Jahr hat etwas sehr deutlich gezeigt. Viele Mitarbeitende legen großen Wert auf Ausgleich, Me-time und körperliche Bewegung. Gesundheit ist kein Randthema mehr, sondern ein bewusster Teil des Alltags geworden. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Firmenfitness ein anderes Bild. Die Nutzung bleibt begrenzt. Immer wieder dieselben Namen. Immer wieder dieselbe kleine Gruppe.
Das Fitnessstudio um die Ecke ist gut. Wirklich gut. Und trotzdem bleibt diese zentrale Frage: Warum erreicht es so viele nicht, obwohl Bewegung für so viele an Bedeutung gewonnen hat?
Die Antwort liegt nicht im fehlenden Interesse. Sie liegt im Leben der Menschen und in den Strukturen der Unternehmen.
Wenn ein Fitnessstudio um die Ecke gut gemeint ist, aber nicht ins Leben passt
Da ist Anna, 34, Projektmanagerin, zwei Kinder, Teilzeit. Der Kopf ist immer schon beim nächsten To-do. Bewegung wäre wichtig, aber bitte ohne zusätzliche Organisation, ohne festen Ort, ohne Zeitdruck.
Ebenso Markus, 42, im Außendienst. Hotels, Autobahnen, wechselnde Wochen. Das Fitnessstudio am Hauptstandort fühlt sich für ihn an wie ein Angebot, das für andere gemacht wurde.
Und auch Sabine, 28, in der Schichtarbeit. Müde Beine, hoher körperlicher Einsatz. Sie sucht keinen Leistungssport, sondern Entlastung, Ruhe, einen echten Gegenpol.
Alle drei wollen Ausgleich. Aber nicht auf dieselbe Art.
Ein Fitnessstudio, "um die Ecke" kann hochwertig sein und trotzdem viele systematisch oder strukturell bedingt ausschließen. Besonders in Unternehmen mit mehreren Standorten. Was am Hauptsitz funktioniert, wird für Mitarbeitende in kleineren Niederlassungen oder Remote-Arbeitende zur leeren Worthülse.
Das Ergebnis: Ihre 50 Euro steuer- und sozialabgabenfreier Sachbezug verpuffen wirkungslos. Das Angebot existiert auf dem Papier, aber nicht im Alltag. Das erzeugt kein Gefühl von Fairness, sondern Distanz.
Bewegung ist nicht gleich Bewegung und genau darin liegt der Schlüssel
Manche brauchen Yoga, um wieder bei sich anzukommen.
Andere gehen schwimmen, weil es ihren Körper trägt statt belastet.
Wieder andere finden im Bouldern genau das, was ihnen im Alltag fehlt. Fokus auf Kraft. Kopf aus.
Und für viele braucht es zusätzlich etwas anderes. Online Angebote. Flexibel. Ortsunabhängig. Dann, wenn Zeit und Energie da sind.
Gerade für Remote-Mitarbeitende, für Eltern oder für Menschen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, sind digitale und ortsunabhängige Formate oft der einzige realistische Zugang zu Bewegung. Nicht als Ersatz, sondern als gleichwertige Option.
Ein interessanter Trend: Wenn Partner und Familie miteinbezogen werden, steigt die Akzeptanz erheblich. Bewegung wird dann nicht zur zusätzlichen Abwesenheit, sondern zur gemeinsam verbrachten Zeit. Firmenfitness wirkt nur dann, wenn sie sich mit dem Leben vereinbaren lässt. Vor Ort digital und gemeinsam. In der Stadt, auf dem Land, an allen Standorten gleichermaßen.
Unsere Erfahrung zeigt: Gerechtigkeit entsteht nicht dadurch, dass alle das Gleiche bekommen. Sondern dadurch, dass alle eine faire Chance haben, Bewegung in ihr Leben zu integrieren.
Was nicht nur Studien, sondern auch unsere Praxiserfahrungen zeigen
Unternehmen, die Firmenfitness ganzheitlich angehen, berichten von messbaren Veränderungen:
Personalentwicklung: Studien zeigen eine deutlich höhere Mitarbeiterbindung bei strukturierten Benefit-Programmen. Der Effekt verstärkt sich, wenn Angebote tatsächlich genutzt werden – was bei vielfältigen, flexiblen Konzepten eher der Fall ist.
Gesundheitsmanagement: Präventive Angebote können Krankheitstage reduzieren, wobei der Effekt bei 10 bis 15% liegt, wenn die Teilnahmequote stimmt. Entscheidend ist hier die Passgenauigkeit der Angebote.
Recruiting-Vorteil: 63 % der Bewerbenden geben an, dass Benefits ihre Entscheidung beeinflussen. Vorausgesetzt, diese Benefits sind glaubwürdig und nicht nur auf dem Papier vorhanden.
Administrative Effizienz: Digitale Lösungen reduzieren den Verwaltungsaufwand erheblich, was besonders bei dezentralen Unternehmen oder vielen Standorten relevant wird.
Unser Fazit für HR: Firmenfitness wirkt dann, wenn sie zum Leben passt
Firmenfitness scheitert selten am fehlenden Willen oder am Budget. Sie scheitert dort, wo Angebote am Alltag der Mitarbeitenden vorbeigehen.
Die Erfahrung zeigt, dass zwischen einem isolierten Angebot und einer durchdachten Lösung der Unterschied zwischen gut gemeint und wirksam liegt. Genau deshalb arbeiten wir mit Partnern zusammen, die diese ganzheitliche Betrachtung ermöglichen und gewährleisten können. Uns geht es nicht um schnelle, kurzfristige Lösungen, sondern um nachhaltige Konzepte, die Bewegung, Motivation, Lebensrealität und Unternehmenskultur zusammendenken. Nur wenn alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden, entsteht ein Angebot, das langfristig angenommen wird und echte Wirkung entfaltet.
Die Zukunft der Firmenfitness liegt nicht in größeren Studios oder teureren Mitgliedschaften, sondern in der Anerkennung, dass Menschen unterschiedlich leben und sich unterschiedlich bewegen. Unternehmen, die diese Vielfalt ernst nehmen und flexible Lösungen anbieten, erreichen nicht nur mehr Mitarbeitende, sondern erzielen echte Wirkung, in der Gesundheit, in der Zufriedenheit und letztlich auch wirtschaftlich. Der steuer- und sozialabgabenfreie Sachbezug von 50 Euro ist dabei nicht das Problem. Entscheidend ist, wofür HR ihn einsetzt.